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Zisterzienser

Die Christianisierung der Insel

Waldemar I. (1131-1182), dänischer König seit 1157, begründete die dänische Großmachtpolitik. Er unternahm Feldzüge gegen die Wenden und eroberte im Jahre 1168 die wendische Tempelburg Arkona. Somit waren die Inseln Rügen und Hiddensee der dänischen Diözese Roeskilde unterstellt. Sofort begann die Christianisierung beider Inseln. Damit ging in schnellem Tempo die Urbarmachung und Kultivierung des größtenteils wüsten Landes einher.

Grabplatte

Bereits im Jahre 1296 wurde das der Insel Rügen vorgelagerte Hiddensee den Zisterziensermönchen übergeben und die Klosterfiliation Sankt Nicolai gegründet. Beide Inseln gehörten damals zu Dänemark. Die Gründung des Zisterzienser-Ordens reicht ins Elfte Jahrhundert zurück. Die asketische Lebensweise der Mönche ermöglichte im Zwölften und Dreizehnten Jahrhundert eine stürmische Entwicklung des Ordens.

Es kam zu bedeutenden Leistungen auf dem Gebiet der Landeskultivierung, der Viehzucht und des Fischereiwesens. Die Abtei Sankt Nicolai betrieb jedoch nicht nur Bauvorhaben in der nördlich gelegenen Ortschaft Kloster, sondern auch auf dem Südteil der Insel Hiddensee, dem Gellen, nahe des heutigen kleinen Leuchtfeuers. Dort liegen noch heute die Reste der ehemaligen Gellenkirche, ein Backsteinbau auf Feldsteinfundamenten. Nach urkundlichen Erwähnungen soll sie im Jahr 1302 fertiggestellt gewesen sein.

Fürst Wizlaw II. von Rügen (circa 1240-1302) schenkte den Mönchen ganz Hiddensee und gewährte ihnen Fischereirechte in den Gewässern um Rügen.

Damals war Hiddensee längst kein unbewohntes Gebiet mehr. Es gab Kolonisten, die das Land beanspruchten. In geistlicher Hinsicht war das Eiland auch kein Vakuum mehr. Das erschwerte es natürlich erheblich, dem rauen Fischerwesen den Glauben nahezubringen.

Hiddensee unterstand zunächst dem Pfarrer von Schaprode. Wind und Wetter hinderten ihn jedoch oft, seine seelsorgerlichen Pflichten an den Hiddenseern ausreichend erfüllen zu können. Es kam vor, daß Kinder ohne Taufe und Erwachsene ohne die letzte Ölung und Kommunion starben. Letztendlich verzichtete der Pfarrer auf die Seelsorge zugunsten des Klosters, denn er bekam als Ausgleich eine jährliche Rente.

Die 1322 errichtete Kapelle beim Kloster war für den Laiengottesdienst gedacht. Aus ihr ist schließlich die bescheidene Inselkirche hervorgegangen, die durch den Umbau 1781 ihre heutige Gestalt bekam.
Wenn die Künstler, die auf Hiddensee zu Gast sind, spontan eine Probe ihrer Kunst zum besten geben, ist die kleine Kirche gut besucht. Dieser Brauch geht zurück bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Die Reformation hob 1536 das Kloster auf, die Mönche liefen auseinander. Von der Ausstattung, den Geräten und Einrichtungsgegenständen wie Altären und liturgischen Gerätschaften blieb nichts erhalten. Später tauchten Kleinodien und seidene Gewänder im Besitz anderer Kirchen auf. Das Hiddenseer Kloster wurde bis auf die Kapelle vor dem Klostertor niedergerissen beziehungsweise von den Bewohnern mit der Absicht der Aneignung von Baumaterialien abgetragen.

Was übrig blieb, ist der Name, denn die verschwundene Zisterzienserabtei hinterließ der Örtlichkeit, auf der sie sich einst erhoben hatte, den Namen Kloster.