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Henni Lehmann

Gründerin des Hiddenseer Künstlerinnenbundes

Nach dem Ersten Weltkrieg etablierte sich 1922 in Vitte ein Künstlerinnenbund unter der Leitung der Malerin Henni Lehmann (1887-1937). Neben Elisabeth Büchsel gehörten noch etliche andere Künstlerinnen wie die Mitinitiatorin Clara Arnheim (1865-1942) und die Malerin Käthe Löwenthal (1877-1942), die seit 1912 jedes Jahr auf der Insel malte, dieser Vereinigung an.

Blaue Scheune

1907 entdeckten die Lehmanns Hiddensee für sich. Sommer für Sommer verbrachten sie mit ihren Kindern, Enkelkindern, Verwandten und dem Kindermädchen viele Wochen auf der Insel.
Im selben Jahr errichtete Henni Lehmann zusammen mit ihrem Mann, dem Geheimrat und Justizprofessor Karl Lehmann, neben der Scheune der Bäckerei Schwarz in Vitte (spätere "Blaue Scheune") ein Sommerhaus. Dort malte, dichtete und musizierte die vielseitig begabte Künstlerin, die die "Blaue Scheune" zum Arbeits- und Ausstellungshaus umbauen ließ. Jeden Sommer wurden hier Bilder der Künstlerinnen ausgestellt. Die Außenwände des Lehmbaues erhielten eine blaue Farbe und besitzen sie bis heute.

Da einige der Frauen im Künstlerinnenbund Jüdinnen waren, besiegelte das Nationalsozialistische System das Schicksal dieser Vereinigung. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude eine Zeitlang als Lagerraum, bevor es Anfang der fünfziger Jahre der Maler Günter Fink erwarb. Er richtete für sich eine Wohnung mit Atelier ein und schuf wieder einen Ausstellungsraum, der noch heute zu besichtigen ist.

Henni Lehmann entstammte einer wohlhabenden jüdischen Berliner Familie, liberal gesinnt und durch ihr soziales Engagement beliebt. Ihr Vater, Dr. Wolfgang Strassmann, war von 1862 bis zu seinem Tode 1885 liberaler Abgeordneter in der Berliner Stadtverordnetenversammlung und darüber hinaus auch Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Als Arzt gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des 1880 initiierten Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit. Geprägt durch diese Atmosphäre entwickelte seine Tochter ein ebenso intensives soziales und politisches Engagement.

Nach dem Besuch der Königlichen Kunstschule in Berlin heiratete sie 1888 den Juristen Karl Lehmann, der ebenfalls einer jüdischen Familie entstammte. Er arbeitete über zwei Jahrzehnte als Professor an der Universität Rostock und wirkte 1904/1905 dort auch als Rektor. Nach ihrer Hochzeit konvertierten Henni und Karl Lehmann zum Protestantismus.

Doch die Unterdrückung des freien Geistes in den dreißiger Jahren war für viele ein Grund Deutschland zu verlassen. Henni Lehmann wählte den Freitod, andere, wie Clara Arnheim und Käthe Löwenthal starben in Vernichtungslagern.

Das "Henni-Lehmann-Haus" wurde 1907 von dem Schweriner Architekten Paul Ehmig entworfen und bis 1937 als Sommervilla der Familie Lehmann genutzt. Die Namensgeberin engagierte sich sehr bei der Schaffung besserer Lebensumstände auf Hiddensee. 1913 gab sie den Insulanern ein Darlehen zum Bau eines Arzthauses und 1914 gehörte sie zu den Mitbegründern und ersten Vorstandsmitgliedern des Natur- und Heimatschutzbundes Hiddensee. 1909 zählte sie zu den Gründungsmitgliedern der Genossenschaftsreederei.

Im Jahre 1937 erfolgte ein Umbau durch die Vitter Gemeinde und die Nutzung als Rathaus bis 1991. Von 1997 bis Mai 2000 erfolgte der Umbau und die Renovierung zum "Haus des Gastes" durch die Kurverwaltung mit Förderung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern.

Seit Mai 2000 wird das Haus als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum sowie als Bibliothek genutzt. In Erinnerung um die Verdienste von Henni Lehmann für die Insel Hiddensee wurde das Haus am 5. Juni 2000 offiziell in "Henni-Lehmann-Haus" umbenannt.