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Hans Fallada

In der Schaffenskrise auf Hiddensee

1893 als Rudolf Dietzen in Greifswald geboren, lernte der spätere Hans Fallada schon als Kind die Reize der Großstadt kennen, denn sein Vater wurde 1899 an das Kammergericht Berlin versetzt. Durch die Ernennung seines Vaters zum Reichsgerichtsrat stand bald wieder eine Übersiedlung bevor, diesmal nach Leipzig.

Torbogen

1912 wurde der Gymnasiast Dietzen in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, weil bei einem "Duell", das als Doppelselbstmord geplant war, sein Mitschüler zu Tode kam. Seelisch und körperlich schwer verletzt, gelang es dem angehenden Schriftsteller zu genesen. In den Jahren von 1915 bis 1926 wechselte Fallada häufig Arbeitsstellen und Wohnsitze, womöglich als Flucht vor sich selbst.

Bereits 1917 machte er eine erste Entziehungskur (dieses Mal vom Rauschgift, später vom Alkohol). Wegen Unterschlagung saß er zweimal im Gefängnis, trotzdem entstanden drei Romane. 1928 verlobte er sich mit Anna Margarete Issel. Sie heirateten ein Jahr später und bekamen 1931 einen Sohn. Durch extreme Geldsorgen und Krankheit der Frau suchte Fallada immer wieder Trost im Alkohol.

Er fand Zuflucht auf Hiddensee, als er mit der Fertigstellung seines Romanes KLEINER MANN - WAS NUN? ins Schleudern geriet. Im Oktober 1931 begann er in Neuenhagen bei Berlin mit der Arbeit. Er schrieb, wie bei allen seinen Büchern, in einem wahnsinnigen Tempo; Anfang Dezember stand schon die Hälfte des Manuskriptes, aber er war völlig ausgebrannt. Er faßte den Entschluß nach Hiddensee zu fahren und bezog im Neuendorfer Gasthaus Freese ein Zimmer in der oberen Etage.

Er machte Strandspaziergänge, suchte Bernstein und schrieb bis kurz vor Weihnachten den Arbeitslosenroman fast fertig. Damit schaffte er den Welterfolg. Im Roman schildert er die nach dem Ersten Weltkrieg aus den Fugen geratene Welt des ékleinen Mannes'. Die Geschichte über den kleinen Angestellten mit Frau und Kind, die in das Elend der Massenarbeitslosigkeit fielen, traf den Nerv der Zeit.

1934 erschienen gleich zwei Romane von Fallada. WER EINMAL AUS DEM BLECHNAPF FRIßT, in dem er seine eigene Gefängniszeit verarbeitete und der sehr persönliche Roman WIR HATTEN MAL EIN KIND. Beide wurden scharf von Vertretern der NS-Kulturbehörden angegriffen. Im September des Jahres erhielt er von der "Reichschrifttumskammer" die Verweigerung einer Mitgliedschaft, was einem Berufsverbot gleichkam. Er geriet in eine schwere Nervenkrise und floh im Oktober 1934 erneut nach Hiddensee, um sich zu erholen und weiterzuarbeiten, was ihm auch gelang.

Er gewann und verlor immer wieder an Ansehen und er schrieb unermüdlich. Durch seine häufigen Rückfälle in den Alkoholismus kam es 1944 zur Scheidung. Mit diesem Auslöser nahm der Abstieg unaufhaltsam seinen Lauf.
Im Februar 1947 starb Fallada 54jährig an Herzversagen. Eine kleine Gruppe von Trauergästen versammelte sich in Berlin auf dem Pankower Friedhof; die ihm am nahesten standen, hatten vorher schon Abschied genommen oder keine Tränen mehr übrig.