Zum Artikel springen

Willy Jaeckel

Der Maler und sein Zufluchtsort

1888 in Breslau geboren, fühlte er sich schon als Jugendlicher zur Malerei hingezogen. 1906 hatte er sich gegen alle Widerstände durchgesetzt und begann an der Akademie Breslau bei Eduard Kaempfer das Studium der Malerei, 1908 wechselte er nach Dresden zu Otto Gußmann, der neuen Strömungen gegenüber als besonders aufgeschlossen galt.
Als Vertreter des EXPRESSIONISMUS bestritt er 1913 erfolgreich seine erste Ausstellung in Berlin.

Willy Jaeckel

Im Laufe der zwanziger Jahre avancierte Jaeckel zu einem angesehenen, bekannten Berliner Maler. Seit 1925 hielt er sich regelmäßig auf der Insel Hiddensee auf und pflegte unter anderem freundschaftlichen Kontakt zu Gerhart Hauptmann (1862-1946).

Bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten genoß der begehrte Portraitist und Gastgeber rauschender Künstlerfeste Willy Jaeckel hohes gesellschaftliches Ansehen. Danach wurden seine Werke aus Ausstellungen entfernt und in öffentlichen Sammlungen magaziniert.

1907 besuchte der schon anerkannte Maler zum ersten Mal die Insel Hiddensee. In Kloster mietete der prominente Künstler schon seit 1925 jährlich ein Sommerquartier und erwarb 1937 ein Haus, in dem er während der Sommermonate arbeitete und in den Jahren des Nationalsozialismus einen Rückzugsort fand. Einen Teil der in Berlin geschaffenen Arbeiten "evakuierte" Jaeckel auf die Ostseeinsel. Dort haben sie den Krieg überdauert. Neben Aktbildern entstanden auf Hiddensee Gemälde von Dünen, Wellen und dem Leuchtturm als Wahrzeichen der Insel.

"Am nachmittäglichen Strand sitzend, wenig Menschen um mich herum, recht still nur die Wellen glucksend auslaufend [...] ist (es, M.M.) eines der hundertgesichtigen Bildungen und Wandlungen der Natur [...] eigenartig auch mein Verhältnis zu Hiddensee in diesem Sommer" [1], schrieb Willy Jaeckel im August 1939 an eine Freundin.

Der Hiddensee-Nachlaß Jaeckels wird heute im Tegernseer Tal nahe München bewahrt und gepflegt. Sein 200 Radierungen umfassendes graphisches Hauptwerk MENSCHGOTT-GOTT-GOTTMENSCH (1920-1923) galt in den Jahren der Verunsicherung und Desorientiertheit nach dem Ersten Weltkrieg als ein Versuch, mit den Mitteln der Kunst die Weisheit des Alten Testaments und Elemente fernöstlicher Religionen miteinander zu verknüpfen. In dieser Zeit bearbeitete er zahlreiche religiöse Themen.

Ein großer Teil seiner Bilder verbrannte bei Bombenangriffen auf Berlin. Anfang 1944 wurde sein Atelier am Kurfürstendamm bei einem Bombenangriff getroffen und Willy Jaeckel im Luftschutzkeller verschüttet.

Ein Teil seines Werkes wurde 2001 in Kooperation zwischen dem "Gerhart-Hauptmann-Haus" und dem Heimatmuseum Hiddensee ausgestellt und in Erinnerung gerufen.
Auch bei uns finden Sie eine Galerie mit Kunstwerken des Malers.

[1] willy jaeckel 1888-1944, SO WAR MEIN DENKEN, Miesbach 2000, S. 86