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Gret Palucca

... und ihr Tanzsprung zur Insel

Die Meisterin der Improvisationskunst (1902-1993) entdeckte die Insel im vierzigsten Lebensjahr für sich und blieb ihr bis zum Lebensende verbunden.
1902 wurde sie in München als Margarethe Paluka geboren.
Als junge Frau erlebte sie schon bald nach ihrer Ausbildung bei Mary Wigman (1886-1973) erste Erfolge.

Gret Palucca

Sechs Jahre hielt ihre Ehe mit Friedrich Bienert, einem der einflußreichsten Männer Dresdens. Durch Familie Bienert stellten sich bald Kontakte zu Künstlern des BAUHAUSES her. Die bildende Kunst, vor allem durch die Bauhauskünstler Walter Gropius (1883-1969), Paul Klee (1879-1940) und Wassily Kandinsky (1866-1944), die sie persönlich kannte, hatte großen Einfluß auf die Palucca.

1924 startete Gret Palucca ihren ersten Solotanzabend im Vereinshaus Dresden. Damit begann die Solotanzkarriere. Ein Jahr später, 1925, eröffnete sie bereits die "Palucca-Schule" Dresden, 1928 eine Zweigstelle in Berlin, 1931 eine Zweigstelle in Stuttgart. Ihre Lehrtätigkeit fand wegen ihrer jüdischen Abstammung 1939 ein plötzliches Ende. Erst in einer Privatschule in der 1949 neu gegründeten DDR konnte sie diese fortsetzen. Bis zu ihrem Tod bildete sie Generationen von Tänzern, Tanzpädagogen und Choreographen aus.

Neben der Solokarriere als "Rebellin im Ballettsaal" unterrichtete sie fast sieben Jahrzehnte Ausdruckstanz in Dresden. Ihre leichte und optimistische Tanzart, ihre viel gelobte Musikalität und Virtuosität, sowie ihre öffentlichen Tanzimprovisationen machten sie international berühmt.

Aufgrund der Orientierung der DDR an der Sowjetunion kam es wie in vielen anderen Bereichen auch auf dem Gebiet des Tanzes und der Tanzausbildung zu tiefgreifenden Veränderungen. Eine mit Deutschland vergleichbare Entwicklung des Modernen Tanzes hatte es in der Sowjetunion nicht gegeben. Dafür blickte man dort auf eine lange Tradition im Klassischen Tanz zurück.

Folge war die Aufnahme des Faches Klassischer Tanz in die Tanzausbildung. In dem Zeitraum von 1950 bis 1963 begann eine Umgestaltung zur Ballettschule.
Gegen die zentral verfügten Stundenpläne, die den von Palucca unterrichteten Neuen Künstlerischen Tanzes starke zurückdrängten, setzte sie sich in den fünfziger Jahren auf die ihr mögliche Weise zur Wehr. Sie legte die Leitung ihrer Schule nieder und zog ihren Namen zurück.

Zur Bekräftigung ihrer Forderungen schreckte sie 1959 auch vor einer vorgeblichen Flucht in den Westen nicht zurück. Nach diesen Kämpfen einigten sich die Tanzpädagogin und die Kulturpolitiker der DDR auf ein besonderes Ausbildungsmodell an der "Palucca-Schule" Dresden. So erhielt nun neben dem Klassischen Tanz auch der Neue Künstlerische Tanz seine Berechtigung.

Paluccas erster Aufenthalt auf der Insel Hiddensee fällt in das Jahr 1948, in den fünfziger Jahren kaufte sie sich ein Sommerhaus. Jede freie Minute genoß sie nun die meditative Ruhe des "söten Lännekens" und erfreute sich der tiefen Freundschaft zur Insel-Photographin Ilse Ebel (*1912).

1993 wurde die Palucca auf dem Inselfriedhof zur letzten Ruhe gebettet. Seit 1997 ehren Dresdner Studenten die große Ausdruckstänzerin mit einer Tanzwoche auf Hiddensee. Dabei improvisieren sie am Strand, am Leuchtturm und auf dem Deich. Das Ganze ist ein poetisches Spektakel bei Sonnenuntergang. Inzwischen ist es bei den Touristen so beliebt, daß sie es in ihren Urlaub einplanen, während der Tanzwoche auf Hiddensee zu sein.