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Punk

Ost-Berliner Mucke unter Möwengeschrei

Feeling B trat nie wie eine normale Band auf, denn bei ihnen regierten Anarchie, Spaß und Lebensfreude. Sie sangen MIX MIR EINEN DRINK, DER MICH WOANDERS HINBRINGT und öffneten so auf ihre Art und für eine kleine Weile die engen Verhältnisse.

Feeling B

Die Mitglieder sind: der viel zu früh verstorbene Feeling B-Gründer und Szene-Motor Aljoscha Rompe (1947-2000), der genügsame Paul Landers (*1964) und der zerstreute Flake Lorenz (*1966). WIR WOLLEN IMMER ARTIG SEIN schmetterten sie grinsend in die Menge und verhöhnten damit die repressiven Herrschaftsverhältnisse der DDR.
Seit der Gründung 1983 verkörperte die Band jenseits aller Rockkonventionen ein einzigartiges Lebensgefühl. Sie narrten das System mit lustvoller Lebensfreude und produzierten 1989 die erste offizielle Punk-LP der DDR. Sie produzierten eine Klangart, die es zuvor überhaupt nicht gab.

Im Film FLÜSTERN & SCHREIEN (1988) avancierten sie zu Protagonisten in der östlichen Rockgeschichte, die Idee dazu entstand auf Hiddensee. Dort verlebten sie die Sommer der achtziger Jahre, finanzierten sich mit Schmuckherstellung für Hiddensee-Urlauber und probten im Hafengelände der Insel, immer kurz genug, um die Einheimischen wegen des Lärmpegels nicht vor den Kopf zu stoßen.

Feeling B hat die DDR nicht erschüttert, spielte aber die Melodie zu ihrem Niedergang. Dieter Schumanns FLÜSTERN & SCHREIEN, Protestfilm und Film über den DDR-Rock der achtziger Jahre, verdeutlichte die Entwicklung der Rockbewegung zur Protestkultur. Rockmusik wurde zum Ausdruck des Lebensgefühls einer Generation, die sich zunehmend von FDJ-Organisiertheit, offiziellen Feiern mit blauen Blusen und Pflichtdemonstrationen abwendete und nach eigenen Wegen sowohl in der Musik als auch im Leben suchte.

Aljoscha Rompe, Kopf der Band, starb mit 53 Jahren am 23. November 2000. Ohne das nötige Stimmenvolumen war er trotzdem oder gerade deshalb ein eindrucksvoller Anführer der DDR-Musikszene. Rompe durchlebte die klassische Antikarriere des privilegierten Funktionärskindes, dessen Stiefvater Robert Rompe (1905-1993) im ZK der SED saß. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der Physiker eine Rolle bei russischen Forschungen zum Bau der Atombombe. Später, zu DDR-Zeiten, kehrte er wieder in sein Haus auf Hiddensee zurück, so daß Stiefsohn Aljoscha schon früh einen Bezug zu dieser einzigartigen Ostseeinsel bekam.

Seit Anfang der achtziger Jahre erkundete Aljoscha als Schweizer Staatsbürger (der leibliche Vater war auch ein solcher) fremde Länder und war von den Alternativen westlicher Prägung nicht so angetan, daß er dort geblieben wäre. Er entschied sich für das ihm interessanter erscheinende Leben im Osten.

Nach der Wende etablierte er mit anderen das Szene-Gemeinwesen WYDOKS. Mit der Auflösung von Feeling B 1993/1994 gründeten seine ehemaligen Band-Kollegen Paul Landers, Flake Lorenz und Christoph Schneider die international erfolgreiche deutsche Band: "Rammstein". In dem weiterführenden Film WIR KRIEGEN EUCH ALLE (1999) kamen Aljoscha und die Bandmitglieder noch einmal rückblickend auf das DDR-Leben zu Wort.