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Jo Harbort

Bildhauer und Inselliebhaber

Die Motorsäge kreischt und der Trennschleifer sirrt. Unter Jo Harborts (*1951) Händen gelingen realistische und phantasievolle Formen. Aber nicht nur Holz ist sein Medium. Harborts Teilnahmen an den Eisfestivals in Kanada sind schon Legende. Skulpturen aus Eis hat der produktive Bildhauer auch im fernen Japan hinterlassen.

Jo Harbort

Von ihm geschaffen ist ebenfalls die neben dem Hiddenseer Leuchtturm aufgestellte Sonnenuhr aus einem Granitblock. Auf einem im Jahr 2000 stattfindenden internationalen Bildhauersymposium in der Provinz Cordoba in Argentinien setzte Harbort seiner Wahlheimat Hiddensee in Form einer aus Marmor gefertigten SANDDORNSTRAUCH-Skulptur ein Denkmal.

In Oschersleben geboren, kam er früh mit der Schnitzkunst in Berührung. 1969 schloß er eine Holzbildhauerlehre ab. Von 1970 bis 1975 studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Dresden. Freischaffend arbeitet er seit 1976, häufig auf Hiddensee. Als Bildhauer und kunstbesessener Globetrotter aus der Wahlheimat Zwickau gestaltete er drei besondere Spielplätze auf Hiddensee. Daneben existieren Kinderspielplätze am Kindergarten in Vitte sowie neben oder vor verschiedenen Hotels.

Der Besitzer des Eiscafés "Eisbär" gab zudem eine Parkbank in Auftrag. Diese steht nun im Park des "Henni-Lehmann-Hauses" und wird von Groß und Klein begeistert aufgenommen. Die aus Esche gefertigte Bank besticht durch eine winkelartige Form mit einer großen Kugel auf der linken Ecke. Rechts ist die Hausmarke des Hauses Hülsen zu sehen.

Der Spielplatz JONA UND DER WAL in Kloster erzählt die biblische Geschichte vom ungehorsamen Propheten, der nach abenteuerlichen Erlebnissen im Bauch des Fisches und in stürmischer See doch noch zu seiner eigentlichen Bestimmung findet.

Der ILSEBILL-Spielplatz, gleich hinter dem Dünengürtel in Neuendorf, erzählt unter dem ständigen Rauschen des Meeres die alte Geschichte vom FISCHER UND SIN FRU. "Manntje! Manntje ! Timpe Te! Buttje! Buttje in de See! Myne Fru de Ilsebill will nich so as ik wol will", diesen Vers kennen die meisten aus Grimms Märchen.

Weniger bekannt ist, daß der Wolgaster Maler Philipp Otto Runge (1777-1810) das alte Pommersche Volksmärchen zu Beginn des Achtzehnten Jahrhunderts erstmalig nacherzählte. 1995 räumten Neuendorfer Fischer durch Initative und Eigenleistung dem Märchen einen besonderen Spielplatz ein.

Hinter dem Edeka-Markt in Vitte erschuf Bildhauer Harbort einen Spielplatz, bei dem sich alles um den ehemaligen Müllermeister und Bäcker Waldemar Schwartz dreht. Ihm gehörte die noch heute viel bewunderte "Schwarze Mühle" in Vitte am Norderende. Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts erwarb sie der Architekt Helmut Trauzettel (1928-2003), baute sie innen zur Ferienwohnung aus und restaurierte die äußere Gestalt. Seit einigen Jahren steht sie unter Denkmalschutz.

Die Schauspielerin und Regisseurin Christine Harbort (1949-2003), Schwester und Kritikerin des Bildhauers, nutzte ihre freie Zeit, um sich auf Hiddensee zu erholen. Ihren ersten Auftritt hatte die Schauspielerin am Volkstheater Rostock. Zuletzt spielte sie an der Berliner Schaubühne. Dem Film- und Theaterschaffen eng verbunden, gehörte sie auf Hiddensee mit zu den eifrigsten Zeltkinobesuchern.

Auch in der "Seebühne" war sie kein seltener Gast. Im August 2001 trat sie sogar in dem kleinen Inseltheater auf. Sie stellte in Oliver Bukowskis (*1961) Schwank NICHTS SCHÖNERES eine Frau in mittleren Jahren dar, die trotz hoffnungsloser Situation dem Leben zuversichtlich gegenübersteht.