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Seebühne

Anderes Theater mit Käpt'n Huck am Steuer

Der Initiator Karl Huck studierte an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" und erhielt 1985 das Diplom als Puppenspieler. Seit 1987 arbeitet er freiberuflich als Regisseur und Autor. 1990 gründete er das HOMUNKULUS-Figurentheater. Aus dieser ist 1998 die Seebühne auf Hiddensee entstanden.

Seebühne

Die "Seebühne" durch das unsichere Fahrwasser der Inselsaison zu manövrieren, ist kein leichtes Spiel. Tag für Tag gilt es, die Bretter, die die Welt bedeuten, zu betreten, denn diese Bretter seien, wie der große Theatermime Kurt Böwe (1929-2000) auf dem Vitter Theaterschiff einmal sagte, immer auch ein Floß für Liebende. Und nur so - mit Liebe zum Beruf und zum Detail - ist die Seebühne ein beachtlicher Ausflugsdampfer geworden.

Immer genügend Wasser unterm Kiel erhält dem kleinen Theater einen guten Kurs. Das Repertoire umfaßt in vielerlei Varianten See- beziehungsweise Inselstücke. Ein Klassiker ist mittlerweile DIE SCHATZINSEL, nach Motiven einer berühmten Meuterei R.L. Stevensens (1850-1894) gemixt mit Hiddenseer Ereignissen, geworden. Auch LÜTT MATTEN, eine kleine Liebesgeschichte nach Benno Pludra (*1925) oder SINDBAD. DER SEEFAHRER fehlen nicht auf dem Spielplan. Gelesen wurden hier schon die 1934 von Gerhart Hauptmann (1862-1946) geschriebene Erzählung DAS MEERWUNDER oder Ernest Hemingways (1899-1961) in deutscher Fassung 1952 veröffentlichter Kurzroman DER ALTE MANN UND DAS MEER.

Im Juni 2000 fand in der "Seebühne" sogar eine Uraufführung statt. Es wurde das Stück AUGUST, AUGUST ... von Pavel Kohout (*1928) gezeigt, in dem es um universelle Verwandlungen geht, sowohl um die der Liebe als auch um die der Zirkuswelt.

Durch Sponsoren von der Insel konnte 2002 das erste Stummfilmfestival zu Ehren Asta Nielsens (1881-1972) entstehen. Unvergessen bleiben die Momente, in denen die Stummfilmdiva auf der Leinwand des Zeltkinos die Zuschauer bezauberte. Das Ganze untermalt mit Trommelbegleitung Steven Garlings, wurde ein erfolgreiches Spektakel.

In selbiger Spielzeit setzten Nino Sandows (*1961) NOSFERATO und Tobias Morgensterns (*1960) GOLEM musikalische Maßstäbe für das nächste Festival. Das Motto im Sommer 2003 lautete: DIE WELT DER CLOWNS, welches ebenfalls große Resonanz fand.

Die Umsetzung des altbekannten Stückes PETER UND DER WOLF [nach Sergej Prokofjew (1891-1953)] durch das Solo-Akkordeon von Tobias Morgenstern mit direkt geführten Marionetten durch Karl Huck ist spannend und originell. Am 18. Juli 2003 fand die Premiere statt.
Wie häufig in Inszenierungen der "Seebühne" werden auch diesmal die von Karl Huck in Szene gesetzten Figuren in andere Zeiten versetzt, zum Teil auch an andere Orte, um schließlich im Hier und Heute und auf einer Insel zu landen.

Ein von Nino Sandow gestalteter Theaterabend nach Melvilles (1819-1891) MOBY DICK (1851) erzählt die Geschichte vom Wal, der auftaucht, verschwindet und gejagt wird und eine Geschichte von der Liebe, die auftaucht und verschwindet.

Großes Vergnügen bereitet immer noch das bereits 2001 entstandene phantasievolle Zweipersonen-Stück SOS TITANIC, welches das legendäre und tragische Thema mit Poesie und Witz ausstattet. In verschiedene Zeitebenen entführt, schlüpfen Karl Huck und Tobias Morgenstern in immer neue Rollen, zum Beispiel in die des Musikers Maximilian Pechstein oder des Schmetterlingsfängers Richard Anton Kneeze. Sie bezaubern das Publikum und erhalten die Spannung bis zum Schluß aufrecht.