Zum Artikel springen

Torsten Schlüter

... und sein Weg zur Malerei

Torsten Schlüter, 1959 in Berlin geboren, begann 1981 ein Architekturstudium in Weimar. Erste Arbeiten als Bühnen- und Kostümbildner gestaltete er 1987 in Weimar und Eisenach.
Mit Haut und Haar verschrieb er sich sehr früh der Malerei. Daneben spielte das Schreiben schon immer eine wichtige Rolle. Seit 1988 arbeitet er als freischaffender Künstler. Wochenlang reiste Schlüter in den neunziger Jahren durch Indien und Namibia, lebte in Berlin und New York. Aber immer wieder zog es ihn nach Hiddensee.

Torsten Schlüter

Inmitten der vielen bunten Photobildbände und Historien zum Thema Hiddensee gibt es eine bibliophile Kostbarkeit von Schlüter, die sieben Jahre vor der Wende beginnt und vorerst sieben Jahre danach endet. Es ist ein Skizzenbuch mit eigenen Texten und Kurzprosa. Prägnant schildert er in metapherreichen Tagebuchnotizen die großen und kleinen Hiddenseer Weltereignisse. Aufgelockert und ergänzt sind sie durch Zeichnungen und Skizzen, in denen sich viele Hiddenseer Originale wiederfinden.

Hiddensee entdeckte Schlüter im Sommer 1983 für sich und verbrachte gleich einige Wochen auf dem Eiland. Am vierten Tage des ersten Hiddenseebesuches hätte sich die Insel in eine Prinzessin verwandelt. So antwortete Schlüter dem Direktor des Hiddenseer Heimatmuseums Jürgen Schäfer auf die Frage, ob es Liebe auf den ersten Blick gewesen sei mit dem Maler und dem "söten Länneken".[1]

Aus diesen ersten Tagen stammt ein Tagebucheintrag, der im Skizzenbuch HIDDENSEER AUFZEICHNUNGEN (1997) veröffentlicht ist und den Ortsteil Schabernack beschreibt. "Neuendorf. Ein hingewürfeltes, windzerzaustes Dorf. Vielleicht tatsächlich ein Schabernack. Doch der Insel schönste Häuser finden sich hier auf den zahnlosen Wiesen, wo Wäsche flott im Wind zwischen allerlei Hofgetier flattert. In der Mittagssonne trocknen die geflickten Netze und Reusen, bevor die Kormorane wieder hineinjagen [...]" [2]

Seit 1996 ist Hiddensee im Besitz eines eigenen Logos. Aus einer Reihe unterschiedlichster Entwürfe entschied sich der Kulturausschuß 1995 für den Entwurf des Berliner Künstlers Torsten Schlüter. Die Gemeinde Hiddensee erwarb die innerbetrieblichen Nutzungsrechte. Seither findet sich dieses graphische Symbol, ein Motiv aus Welle, Vogel und Sonne, an verschiedenen Stellen der Insel und auf ihren Dokumenten wieder.

Schlüters improvisierte Verkaufsgalerie in Kloster fand in den Sommermonaten 2003 bereits zum siebzehnten Mal statt und wie immer ihr Laufpublikum. Zweimal (1996 und 1998) stellte er auch schon in der "Galerie am Torbogen" aus, 1998 dann sogar im Hiddenseer Heimatmuseum. Egal wo auf der Insel: Einheimische klönen mit dem Maler und betrachten wie die Urlauber aufmerksam seine neuesten Werke.

In den Farben Torsten Schlüters findet sich das Wunderland der vom Meer umspielten Molen wieder. Seine Hiddensee-Aquarelle strotzen vor satten orangefarbenen Wellen oder knallen blaues Oktoberlicht gegen tiefes Wiesengrün. Der rote Dornbusch verschmilzt mit einem glühenden Himmel und gelbe Nebel flackern durch das Weidendickicht. Sonniges und Blutrotes, Blaues und Tiefgrünes leuchten auf fast allen Bildern Schlüters.

Die rund achtzig Aquarelle, die in der Ausstellung HIDDENSEE - DER BALKON VON BERLIN im Jahr 2002 durch das Land wanderten, tragen natürliche Spuren. Einsetzender Regen kleiner Schneekristalle funkelt in den Landschaften und auf den Scheunen. Der fast zu spürende Wind verteilt Farbkleckse über die Blätter.

"Die Insel ist ein Aquarell. Naß in Naß. Jeden Augenblick etwas Neues [...] Wo der Wind so viel Licht und feuchte Luft in Bewegung setzt, ist er Platz des Aquarells." [3]

Darüber hinaus ist Schlüters Malereien eine kraftvolle Lebenigkeit eigen, zum Beispiel in den Kreidezeichnungen des Zyklus MALTES GÄNSE I-VIII. Es gluckert und gackert Hälse ineinander verschlingend förmlich aus dem Bild heraus.
1991 und 1994 verwirklichte er seine Projektidee der "Strandskulpturen auf Hiddensee" am Klosteraner Strand.

Wenn die Herbstwinde über die Insel streifen, hat der Maler sein Sommerquartier auf Hiddensee bereits verlassen. Die Sehnsucht nach dem Meer und der Abgeschiedenheit verbindet den gebürtigen Berliner mit vielen tausend Hiddensee-Begeisterten der Vergangenheit und Gegenwart.