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Zeltkino

Die Kultstätte im Kinowäldchen

Der langjährige Betreiber des Filmzeltes, Ekkehard Gau (*1942), hatte zwar mit dem Ende der Spielsaison im Herbst 2002 seine Tätigkeit als Filmvorführer an den Nagel gehängt, aber auf Initiative der Gemeindevertretung bleibt das Zeltkino erhalten. Die "Kino Bergen auf Rügen GmbH" betreibt ab 30. Mai 2003 das Lichtspieltheater auf Hiddensee, die Zusage für 2004 ist schon gemacht.

Zeltkino

Schon als der gebürtige Hiddenseer noch zur Schule ging, wich er nicht von der Seite des damaligen Filmvorführers. Leidenschaft und Neugier rund um den Film waren geweckt. Sein Berufswunsch, Landfilmvorführer zu werden, ging in Erfüllung und es war immer Ekkis Passion, Filme auszuwählen und vorzuführen. Treuer "Begleiter" seit Ende der fünfziger Jahre war der schwarze Koffer mit der Transportkamera TK 35, die der "Herr des Zeltkinos" technisch immer wieder aufrüsten ließ. Bis zur Wende arbeitete Ekkehard Gau als Angestellter der Kreislichtspielbetriebe.

1991 wagte er den Schritt in die Selbständigkeit. Den Boden pachtete er von der Gemeinde und so zeigte er weiterhin Filme, die gefielen. Das Publikum aus Naturliebhabern, Inselreifen, Aussteigern, Künstlern und Sommergästen blieb ihm treu. Aber 1996 erhielten die Besitzer aus den Alten Bundesländern das Land zurück. Sofort kündigten sie den Pachtvertrag und gewährten seitdem nur noch Einjahresverträge.

Die inzwischen neuen Besitzer des Landes sind zwar zugänglicher bei Gesprächen, die den Erhalt des romantischen Inselkinos betreffen, aber Ekki, wie die Insulaner ihn liebevoll nennen, nahm im Herbst 2002 seinen Hut. Zu lange wartete er auf das Wunder eines längerfristigen Pachtvertrages. Zu viele Nerven ließ er in den aufreibenden Verhandlungen. Trotzdem bewahrte er sich die typische Hiddenseer Gelassenheit und freut sich, daß die Kurverwaltung der Insel sich weiterhin für das Zeltkino engagiert. Der Pachtvertrag für 2003 ist abgeschlossen, der für 2004 in Aussicht.

Die Fans des Hiddenseer Zeltkinos müssen also auch in diesem Jahr nicht auf ihr Filmerlebnis im Vitter Kinowäldchen verzichten. Das Zeltkino in der kleinen Kiefernlichtung, direkt hinter den Dünen, hat schon längst Kultstatus erreicht. Jedes Jahr im Frühjahr wird die große, graue Zeltplane aufgezogen und verspannt, die Leinwand aufgehängt und die Holzstuhlreihen aufgestellt.

Im Kino angelangt, spürt der Besucher, während er sich in den Holzstuhlreihen einen Platz seiner Wahl sucht, rundes Kopfsteinpflaster unter seinen Sohlen. Die leicht im Wind flatternden Zeltwände vermischen sich mit dem Rauschen des Meeres und vermitteln ein einzigartiges Flair.

Ekki stand fast vier Jahrzehnte Tag für Tag in seinem winzigen, fest installierten, weiß gestrichenem Holzhäuschen. Darin verbirgt sich schon immer die Technik. Außerdem ist ein kleiner Verkaufstresen installiert, an dem die Besucher Kinokarten, Naschwerk und Getränke erhalten. Die rund 200 Plätze sind in der Ferienzeit oft ausverkauft.

Wenn das Licht ausgeht, beginnt sogleich der Film; Werbung wird hier nicht gezeigt. Bis zum Herbst kann der Cineast nun die anspruchsvolle Filmzusammenstellung auskosten, denn es gibt seit Jahr und Tag ein breites Spektrum des Programmes.

Neben dem aktuellen Filmangebot werden solche Werke wie SPUR DER STEINE (1966), DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA (1972) oder ETE UND ALI (1984) gezeigt. Auch Klassiker wie DER HIMMEL ÜBER BERLIN (1986/1987), CINEMA PARADISO (1988), LOTTE IN WEIMAR (1974/1975) oder BERLIN ALEXANDERPLATZ (1979/1980) gehören zum Repertoire.