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Pressespiegel

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Ostseezeitung - Rügener Ausgabe

Mittwoch, 18. Juni 2008,

MARION MAGAS LIEST AUS IHREM HIDDENSEE-BUCH

Nach ihrem 2006 erschienen Buch HIDDENSEE - VERSTECKTE INSEL IM VERSCHWUNDENEN LAND präsentiert Marion Magas am Freitag um 19.30 Uhr im Henni-Lehmann-Haus von Vitte ihr zweites Werk, die INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT. Bei der Lesung HIDDENSEE- INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT wird die Herausgeberin und Autorin von Mitautor Roland Papendick und der Buchdesignerin Jana Juni unterstützt. Wieder geht es um DDR-Zeitzeugnisse von Inselfreunden und Lebenskünstlern, wie es auf dem Cover heißt. Das liebevoll gestaltete Werk enthält Erinnerungen, Liebesgeschichten, Porträts und Gedichte, umrahmt u.a. von Schwarzweiß-Fotos, Zeichnungen von Armin Münch und Bildern von Arnold Graffi und des Kambodschaners Eng Seng Thay, der das Cover-Bild machte.

Die Geschichten kommen voller Authenzität und Lebenslust rüber. Da erzählt die Berlinerin Ingrid Taegner, wie sie 1967 mit ihrem Sohn ihr erstes Urlaubsquartier im ausgeräumten Hühnerstall des Fuhrmanns Fritz Mann in Grieben bezog und trotz aller Einfachheit glücklich war, hier sechs Wochen am Stück die Ferien verbringen zu dürfen. Amüsant, was sie in über 40 Jahren Hiddensee-Besuch alljährlich erlebte. Auch Insulaner kommen zu Wort, wie der studierte Förster und heutige Maler Willi Berger (85) aus Kloster, der 1955 hier "anlandete". Zum Schmunzeln die Episode, als er das Pensionsbett, in dem Nobelpreisträger Albert Einstein (1879-1955) während seiner Sommer-Aufenthalte in den zwanziger Jahren geschlafen hat, vom Sperrmüll rettete. Damit nicht genug, er bemalte die Vorderseite des Kopfteils mit einer Insellandschaft und die Rückseite mit einem Porträt Einsteins, ohne über dessen Haupt die wichtigsten Formeln des Physikers zu vergessen.

Dieter Stroh

Global Art Magazine

5. Juni 2008

Wie sich die Malweiber die Ostseeküste eroberten

Marion Magas: WIE SICH DIE MALWEIBER DIE OSTSEEKÜSTE EROBERTEN. - Hiddensee 2008, 80 Seiten, gut bebildert; zu bestellen über: rund ums wort, mmagas@snafu.de, www.hiddensee-kultur.de, Preis: 14,95 Euro

Vor mehr als hundert Jahren, um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert, vollzog sich in der europäischen Kunst ein revolutionärer Wandel. Die traditionellen realistisch geprägten Manieren wurden aufgegeben und durch neue Darstellungsformen, Impressionismus, Expressionismus, Kubismus bis hin zur reinen Abstraktion, ersetzt. An die Stelle der klassischen Lehrmeister traten Vorbilder aus den außereuropäischen Kulturen. Zuwenig ist bisher beachtet worden, daß zu den Gründen für diesen revolutionären Wandel auch der Umstand gehörte, daß sich von 1900 an, zum ersten Mal Frauen in größerer Zahl an der Herstellung der Kunstwerke beteiligten. Die Künstlerinnen hatten zumindest in Deutschland in ihrer Aufbruchphase einen schweren Stand. Bis 1919 durften sie nicht einmal an den Kunstakademien studieren. Der Kunstbetrieb in den großen Städten duldete Frauen nur als Modelle oder als Dekorationsstücke. So boten die Künstlerkolonien, die noch vor der Jahrhundertwende an den norddeutschen Küsten von Worpswede bis Nidden gegründet wurden, den malenden Frauen eine willkommene Ausweichmöglichkeit - abseits von den patriarchalisch dominierten Salons und Akademien in Berlin und den anderen Kunstzentren.
Die auf der Ostseeinsel Hiddensee lebende und arbeitende Autorin Marion Magas hat in ihrem neu erschienenen und reich bebilderten Buch ein wichtiges Kapitel aus diesem Emanzipationsprozess dargestellt. Sie schildert anschaulich, anekdotisch und facettenreich, wie sich die jungen, ebenso engagierten wie emanzipierten Malerinnen auf der Insel Hiddensee, in Ahrenshoop und in anderen kleineren Künstlerkolonien entlang der mecklenburgischen Ostseeküste ihren Platz im kulturellen Leben erkämpft haben. Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen waren trotz der reizvollen Umgebung alles andere als idyllisch. Von ihrer männlichen Konkurrenz, aber auch von der einheimischen Bevölkerung wurden die Künstlerinnen als "Malweiber" verspottet und waren wegen ihrer Werke, aber auch wegen ihres unkonventionellen Lebenswandels mancherlei Diskriminierung ausgesetzt. Sie gingen und fanden dennoch ihren Weg.
Zumindest bis 1933. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hatten es die unangepassten und nicht selten feministisch eingestellten "Malweiber" doppelt schwer. Eine ganze Anzahl von ihnen waren Jüdinnen und erhielten als erste Berufs- und Ausstellungsverbot. Clara Arnheim und Henni Lehmann hatten zu Beginn der Zwanzigerjahre unter dem Einfluss von Käthe Kollwitz den "Hiddenseer Künstlerinnenbund" gegründet, dem zeitweise bis zu zwanzig Malerinnen angehörten. Die Nationalsozialisten verboten den Bund, die Mitglieder gerieten in mehr oder weniger große Bedrängnis. Der Lebensweg der bekanntesten Hiddenseer "Malweiber" endete oft im Holocaust. Auch Käthe Loewenthal und Julie Wolfthorn wurden in polnische Vernichtungslager deportiert. Das zeichnerische, malerische und grafische Werk Julie Wolfthorn war bisher nahezu unbekannt und unerforscht, aber den Forschungen vom Freundeskreis Julie Wolfthorns und von Marion Magas ist es zu verdanken, dass ihr kunstgeschichtlicher Rang endlich erkannt wird.
Nicht alle Malweiber-Biografien endeten tragisch. Die bis heute wohl populärste Hiddensee-Malerin, Elisabeth Büchsel, erreichte ein Alter von 90 Jahren und lieferte in ihren Inselbildern eine malerische Chronik des alltäglichen Lebens von der Kaiserzeit bis in die Anfänge der DDR. Auch Hedwig Woermann, Tochter eines bekannten Hamburger Reeders und Mitbegründerin der Worpsweder Künstlerkolonie, verbrachte später viele Jahre ihres langen und produktiven Lebens in ihrem Atelierhaus in Ahrenshoop. Es ist das Verdienst von Marion Magas, in nicht weniger als 19 Einzelportraits ein lebendiges und bewegendes Bild jenes künstlerischen Aufbruchs vermittelt zu haben, der untrennbar mit den Aktivitäten und Ambitionen der rebellischen "Malweiber" von der Ostseeküste verbunden ist.

Peter Schütt

Berliner Zeitung

Montag, 5. Mai 2008,

HIDDENSEE - ERINNERUNGEN AN DEN URLAUB IM HÜHNERSTALL

Ein Urlaub auf Hiddensee ist heute kein Problem mehr. Vorausgesetzt, man hat das nötige Geld, um sich auf der Ostsee-Insel eine der nicht ganz billigen Ferienwohnungen mieten zu können. In den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren wurden die begehrten und raren Quartiere zum Großteil vom Gewerkschaftsbund vergeben. Und das aus heutiger Sicht zu Spottpreisen von beispielsweise 130 Mark für zwei Wochen. Wer keinen Urlaubsplatz bekam und trotzdem nach Hiddensee wollte, musste erfinderisch sein, sprich sich eine Privatunterkunft suchen. Gewohnt wurde an allen nur möglichen Orten: in klitzekleinen Dachkammern, in Scheunen, Schuppen und sogar in Hühnerställen... Trotzdem zog es alljährlich Hunderte auf das nicht einmal 20 Quadratkilometer große Eiland - hingerissen von der einmaligen Natur. Auf Hiddensee bildete sich so etwas wie eine große Familie: Künstler, Studenten, verkrachte Existenzen, Naturliebhaber, Saisonkräfte, die in den paar Gaststätten in den Inselorten Kloster, Neuendorf und Vitte kellnerten, und die FDGB-Urlauber. Sie feierten zusammen und genossen das Insel-Leben.

Marion Magas hat deren Geschichten gesammelt und las Buch veröffentlicht. In HIDDENSEE - INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT ist über eine Hiddenseer Hippie-Bewegung zu lesen, über Tanzabende im "Dornbusch", wo es Sekt mit Ananas für 2,50 Mark gab, über endlose Strandtage, Versorgungsmängel und gemeinsame Mahlzeiten am Meer. "Hiddensee war eine Art Nische", sagt die 39-Jährige, die selbst immer noch regelmäßig auf der Insel ist. Ihre Mutter bekam 1975 eine Stelle als Lehrerin in Vitte. "Heute", sagt Magas, "ist es auf Hiddensee bürgerlicher geworden."

Hiddensee: erschienen im Selbstverlag, 19,80 €. Erhältlich über mmagas@snafu.de, Tel.: 0160/ 3287484.

Mathias Raabe

Neues Deutschland

Donnerstag, 24. April 2008

Ein besonderes Hiddensee-Buch: Biographie eines Sehnsuchtsortes

Die ganz andere Zeit

In diesen Tagen nach einem langen Winter, der noch keiner war, beginnt die Saison der Inselschwärmer. Hiddensee, das ist für die meisten ein fast noch naturbelassenes Inselparadies ohne Autoverkehr zwischen den vier Dörfern, die auch im Treiben der Gegenwart ihre Charakterunterschiede behaupten. Im Süden Neuendorf und nördlich am Bodden Grieben sind in ihrer Randlage sozusagen Idyllen im Paradies geblieben, während die beiden Kernorte Vitte und Kloster in der Hauptsaison, zumindest tagsüber, das Getümmel eines mit Tagestouristen überlaufenen Ostseebades aushalten müssen und wollen.

Aber wenn die letzte Fähre gegen 18.00 Uhr ablegt, fällt alles wieder in eine Beschaulichkeit zurück, in der sich der Urlauber exklusiv wähnen darf. Er fragt dann, in herbeigesehnter Vertraulichkeit, seine Gastgeber aus nach Inseltratsch und Gemeindepolitik, stellt je nach Erfahrungshorizont - manch einer kommt schon seit Jahrzehnten - geradezu historische Vergleiche an. 1974 etwa, war hier noch alles ganz anders, da gab es auf dem Dornbusch diese unglaubliche Kaninchenplage? Oder: Wie kommt ihr denn eigentlich mit dem neuen Inselpolizisten zurecht? Der hat mich doch heute glatt vom Fahrrad runtergeholt, weil ich ein Einkaufsnetz am Lenker hatte. Oder: Wurde hier jetzt vielleicht ein bißchen zu viel neu gebaut?

Was Literatur angeht, ist Hiddensee wahrscheinlich eine der literarischsten Inseln der Welt. Natürlich, Gerhart Hauptmann zuallererst, und mit ihm war die halbe deutsche Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts hier im Urlaub. Eine besondere Art von Hiddensee-Buch hat nun die Germanistin Marion Magas bereits mit einem zweiten Band vorgelegt, im Untertitel "DDR-Zeitzeugnisse von Inselfreunden und Lebenskünstlern". Magas, 1968 in Pirna geboren und ab 1975 auf Hiddensee aufgewachsen, ist vor allem an jener Biografie der Insel interessiert, die mit weniger prominenten Biografien erzählt wird. Aussteiger als Saisonkräfte und Schlafsack-Romantiker ohne Meldeschein. Eine Insel-Bohème, die keinen Eintritt über den FDGB bekam, aber auf der Insel das DDR-Einerlei zurückließ. ND-Redakteur Hans-Dieter Schütt schreibt über die Ostsee-Essays von Hanns Cibulka und hat in einem langen Lebens-Interview ein Original der Insel, den Tresen-Mann Hans-Georg "Gurke" Romanowski, porträtiert. Die besten Inselgeschichten "einer anderen Zeit" gehen über die DDR-Jahre weit hinaus. Die 1940 in Berlin geborene Monica Oldenburg erzählt von ihrem Kinderkriegsrefugium in der Heide. Der Vater an der Front, überleben drei Schwestern mit der Mutter in einem nicht wetterfesten Sommerhaus, eins der Kinder wird sogar da geboren.

Historisch am ausgreifendsten und dabei so persönlich wie dokumentarisch in die Zeiten weisend, gelingt Sabine Reichwein die Geschichte über das Haus ihrer Familie in Vitte - als "Hexenhaus" bekannt - das von 1930 bis 2007, mit allen Wendungen von widerrechtlichem Besitz, von drei verschiedenen deutschen Systemen erzählt. Solche Darstellungen müssen sich nicht zu Literatur fügen, sie sind es bereits und offenbaren die Stärke von Magas' soziologisch-biografischem Antrieb. Nicht jeder kann eine solche Geschichte erzählen, aber auch kleinere sind nicht weniger aussagekräftig über Hiddensee im großen Getriebe. Die Lehrerin Ingrid Taegner, Jahrgang 1936, resümiert die Art ihrer Quartiere, von den sechziger Jahren an, als man privat und ohne Ferienschein noch im Stall mit Aufbettung unterkam, bis zur heutigen Unterkunft nach Hotelstandart.

Hiddensee ist bei aller Wandlung kein schneller oder schnell verfallender Wert. Denn er wird tradiert, vererbt, und dadurch immer wieder aufgefrischt. Selbst an einem verregneten Tag wird man einen Vater, der mit seinem vermodderten Sohn im Strandkorb sitzt, sagen hören: Das ist alles so schön, siehst du, hier kommen wir unbedingt wieder her. Den schönsten Text eines Spätentdeckers steuerte der Schaubühnen-Schauspieler Felix Römer als "Sehnsuchtsbrief eines Wieners" an eine Freundin in der Alpenhauptstadt bei.

Wahrscheinlich mangelt es nicht an Hiddensee-Kommentaren, soziologischen Analysen und sogar kritischen Aufschwüngen im umstrittenen Ostseereich um Hiddensee. Kreta und kleinere Inseln sind trotzdem nicht mehr das große Ding. Hiddensee ist heute erst recht eine Insel, in der sich das Große im Kleinen findet - das Kleine im Großen als Aufstieg zum Leuchtturm auf den Dornbusch. Man lese nur all diese Texte in diesem Buch!

Marion Magas (Hrsg.): Hiddensee - Inselgeschichten aus einer anderen Zeit, 287 Seiten, 19,80 € (Bestellung: www.hiddensee-kultur.de) Buchpremiere: 25.4., 20 Uhr, Pfefferberg, Berlin Prenzlauer Berg

Thomas Irmer

Ostseezeitung - Stralsunder Ausgabe

Donnerstag, 24. April 2008

Hippie-Geschichten auf Hiddensee gesammelt

Schon zu DDR-Zeiten war das Eiland ein begehrter Urlaubsort. Aber vor allem war es Magnet für namhafte Künstler und für Lebenskünstler, die "Aussteiger". Hiddensee war in der DDR der Ort, an dem sich die unglaublichsten Lebensgeschichten kreuzten.
In ihrem Buch HIDDENSEE. INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT versammelt die Herausgeberin und Autorin Marion Magas etliche dieser Lebensgeschichten. In Portraits stellt sie Künstler und Lebenskünstler vor. Und sie lässt die Menschen selbst zu Wort kommen. Diese Erinnerungen von Inselliebhabern ergeben zusammen mit dem Fotomaterial, zum Teil aus privaten Archiven, ein ganz neues Bild von Hiddensee.
Einige der Episoden erzählen ganze Familiengeschichten, die mit dem "Söten Länneken" verknüpft sind. Es gibt Liebeserklärungen an die einmalige Landschaft. Manchmal an deren Bewohner. Das Spektrum reicht weit. Da sind spannende Erinnerungen aus den 50iger und 60iger Jahren. Man kann von einer Hippie-Bewegung auf Hiddensee lesen oder die DDR-Wissenschaftsgeschichte mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Das Parasitologische Institut Leipzig hatte es unter Professor Wolfdietrich Eichler tatsächlich geschafft, zumindest für einige Jahre, eine Außenstelle des Instituts in Strandnähe einzurichten. Es gab damals Gerüchte, der Professor habe Prüfungen am FKK-Strand nackt in der Sonne abgenommen. Und der 1. Mai auf der Insel wurde auf vielerlei Arten begangen: demonstrierend oder im Neptungewand am Strand.
Die vielen Geschichten von Barfußtanzen im "Dornbusch", von Übernachten in Ställen, von FDGB-Urlaub, von Freundschaften, von Unbeschwertheit ebenso wie von Inselverweisen, von Verlust und von trotzdem weiterleben, machen dieses Buch zu einem einmaligen Zeugnis einer noch jungen Vergangenheit.
HIDDENSEE. INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT ist der Nachfolgeband zu HIDDENSEE. VERSTECKTE INSEL IM VERSCHWUNDENEN LAND, der 2006 erschien.

Anke M. Schmidt